Károly Álmos – Strassenfotograf in Amsterdam

Am letzten Wochenende habe ich in Amsterdam dem Straßenfotografen Károly Álmos bei der Arbeit zugesehen und hatte das Vergnügen, ein paar Worte mit ihm zu wechseln.
Er benutzt eine sehr alt wirkendende, evtl. auch selbst gebaute (ich habe vergessen, ihn zu fragen) “Kamera”, die aus einer (zum Teil aus Phantasie, zum Teil aus praktischer Notwenigkeit sehr skurril anmutenden) Holzkiste mit Objektiv und diversen Anbauten besteht.

Das Objektiv (vermutlich ca. 150mm, wohl aus einer Großformatkamera aber mit Einstellschnecke) ist anscheinend auf eine fixe Entfernung eingestellt, zumindest sah ich ihn nicht fokussieren. Das kann auch gut klappen, denn der zu Porträtierende sitzt in einem festgelegtenen Abstand auf einem zur Ausrüstung gehörenden “Sessel” (einem mit Stoff behängtem Rollstuhl, auf dem wohl auch die Ausrüstung transportiert wird).

Hier nimmt man Platz und muss, nach dem man arrangiert wurde, für eine je nach Intensität des Tageslichts längere oder kürzere Zeit stillhalten. (Bei sehr dunklen Szenen kann auch geblitzt werden, meist ist der Magnesiumblitz aber wohl eher Bestandteil der Show.)
Die lange Belichtungszeit zwingt die Personen vor dem Objektiv zur Ruhe. In einer eigentlich eher hektischen Umgebung (z.B. einer Fußgängerzone) muss man als Motiv Ruhe und Konzentration aufbringen. Zusammen mit der eingeschränkten Kontrolle des Fotografen (er hat keinen Sucher an der Kamera und benutzt auch keinen Belichtungsmesser) führt das zu Bildern, in denen sich auch die Aufnahmesituation verfestigt und die etwas anderes (mehr) zeigen als ein Schnappschuss an gleicher Stelle. (Weiter unten fiden Sie einen lInk zu seinen Bildern.)
Herr Álmos entfernt zum Belichten einen Deckel und zählt die Belichtungszeit in Sekunden langsam mit, bis er den Deckel wieder auf das Objektiv setzt. Danach muss er in der Kamera das (Papier-) Negativ aus dem Halter nehmen und in den Schälchen mit Entwickler und Fixierer (es wird wohl kein Stopbad verwendet ;-) ) ausgearbeitet werden.

Sofortbildkamera

Die Kamera in der “Reprostellung” zur Erzeugung des Postivs (siehe weiter unten)

Verschiedene Anbauten an der Kamerakiste sind nötig, damit zuerst das Negativ und später auch das in der gleichen Kiste erzeugte Positiv entwickelt und fixiert werden kann. Dazu muss der Fotograf von oben durch eine verschließbare Öffnung mit Rotfilter in die Kiste schauen können. Durch eine andere Öffnung (mit einem angehängten Ärmel vor einfallendem Licht geschützt) kann der Fotograf mit einer Hand in der Kiste das Fotopapier und die Chemikalien verwenden.
Während der Entwicklung kontrolliert der Fotograf der Vorgang von oben durch einen kleinen, zu seinen Augen hin abgedichteten Schacht in die Kiste. Damit er zwar das Bild beobachten kann, es aber nicht zusätzlich belichtet wird, ist in der Kiste eine rote Dunkelkammerbeleuchtung. Dazu wird, ein Zugeständnis an die Neuzeit, eine Bremsleuchten-LED-Reihe verwendet, die per 12V Batterie angetrieben werden.

Nach dem Entwickeln und Fixieren wandert das Bild als (Papier-) Negativ durch eine Klappe nach außen und fällt in einen Eimer mit Wasser.
Es wird kurz gewässert, dann kommt ein bisher ungenutztes Zusatzteil der Kamera zum Einsatz. Unterhalb des Objektivs hängt eine Holzschiene in der Form eines “L”s. Diese Schiene wird hochgeklappt, so dass das der Fuß des L nun in einigem Abstand senkrecht vor dem Objektiv steht. Das ist der Vorlagenhalter, an den das Papiernegativ kommt.
In der Kamera lädt der Fotograf den “Negativ”halter mit einen neuem Blatt Fotopapier. Dann wird erneut ein Foto gemacht, jetzt vom Papiernegativ.
Ganz ohne Fokussieren?
Ja und nein. Äußerlich ist keine Veränderung sichtbar, aber innen wird der Negativhalter für die Reproduktion in eine neue, jetzt weiter vom Objektiv entfernte Position gebracht. Dadurch wird auf den Nahbereich scharf gestellt und es kann eine Kopie des Negatives angefertigt werden. Da das Papiernegativ auf Fotopapier reproduziert wird, entsteht nun ein Papierpositiv, das wieder in der Kamera entwickelt und fixiert wird, um dann abschliessend gewässert und luftgetrocknet zu werden.
Das Bild bekommt man in einem schwarzen Passpartout mit ovalem Ausschnitt ausgehändigt.

Der Fotograf reist von Zeit zu Zeit mit der Kamera durch die Gegend und besucht auch andere Länder, mal mit mehr Erfolg, mal mit weniger.
Der ganze Aufwand scheint sich für ihn aber eher zu lohnen, wenn er für Betriebsfeiern etc. engagiert wird.
Wenn Sie Kontakt aufnehmen wollen, hier ist seine (niederländische) Seite. (Er spricht sehr gut deutsch.)
Und hier können Sie einige seiner Bilder sehen.

Anmerkung 2013:
In Afghanistan hat diese Form der Fotografie eine alte, bis heute bewahrte Tradition, hier ist eine Website, die sich um dieses Thema kümmert.

/ 03. Jul 2016

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